Bemerkungen zur Religionsfreiheit

von Dr. Gunter Bleibohm (Kommentare: 0)

Der Mensch wählt seine Religion nicht frei; er wird hineingeboren. Normalerweise.

Mit seiner Geburt wird er – zumindest durch die monotheistischen Religionen – in ein System der Unfreiheit hineingezogen, denn monotheistische Religionen sind  in ihrer Grundsubstanz totalitär und erheben den Anspruch, im Besitz einer absoluten, nicht diskussionsfähigen Wahrheit zu sein. Religionsunterricht in Schulen und in Tempeln dient der frühkindlichen Prägung im Sinne des jeweiligen übergeordneten Systems; Diktatoren aller Länder und Zeiten kannten und kennen das Prinzip. Die frühe Prägung lässt erwarten, dass die Zahl der späteren Abweichler, Menschen also, die sich auf einen selbständigen Erkenntnisweg machen, nachhaltig und deutlich minimiert wird. Sie bleiben ihrer Religion dank Frühprägung lebenslang verbunden, laufen ihr hinterher wie die Gänseküken ihrem Experimentator.

Um den jeweiligen der zahllosen Gottesgedanken rankt sich ein System dogmatischer und ritueller Vorschriften, die freies Denken radikal beschneiden, denn sie schreiben vor, was zu glauben, was nicht zu glauben ist, was zu achten und was zu bekämpfen ist. Kurzum, sie schreiben dem Menschen vor, was zu tun und was zu unterlassen ist; bis hin zu Kleidungs-, Waschungs- und Essensvorschriften.

Aber ein ganz anderer Punkt ist der Entscheidende. Alle Forderungen der Religionen sind ein Konkretum der Unterwerfung, der versprochene Lohn immer ein Abstraktum. Der Märtyrer stirbt nicht bildlich, sondern faktisch, seinen Lohn jedoch erhält er in „Phrasenvaluta mit Luftdeckung“ wie es Alfred Polgar nennt. Und er fährt fort: „Das Kreuz ist immer Wahrheit, die Auferstehung immer Legende. Die Marter immer real, die Seligkeit immer metaphorisch“, der Sprengstoffgürtel ist immer real, die 72 Jungfrauen als Belohnung immer eine Chimäre.

Gibt es eine üblere Täuschung der Menschen, wenn man sie das Vernichtende in der Realität erleben lässt, das Gute aber immer auf ein unüberprüfbares Jenseits bildlich verlegt? Ist es nicht das denkbar Bösartigste, wenn, wie Albert Camus schreibt,  manche sich paradoxerweise für Ideen oder Illusionen umbringen lassen, die ihnen Grund zum Leben waren? Solche Systeme können nur funktionieren, wenn der Mensch durch Gehirnwäsche  bis hin zur Denkunfähigkeit manipuliert wurde und geistig paralysiert wurde. Es sei denn, es war a priori kein Geist vorhanden, der paralysiert werden konnte

Es ist ein gleichgeschaltetes, weltweites System der geistigen Unterdrückung, ein fundamentalistisches und totalitäres System der Unfreiheit. „Religionsfreiheit“ bedeutet in concreto, dass es dem jeweiligen Religionssystem erlaubt ist, seine Anhänger zumindest der geistigen Freiheit, oftmals und zunehmend aber auch der körperlichen Handlungsfreiheit zu berauben. Religionsfreiheit bedeutet bedauerlicherweise nicht „frei von Religion“, sondern impliziert einen wuchernden globalen Unterdrückungsmechanismus. „Das Ganze läuft unter dem Namen: Toleranz“ fasst Günther Anders zusammen. Vernunft ist seit der Antike das höchste Gut der frei und ungebunden denkenden Menschheit, nicht hingegen aber unbewiesene Gottesphantasien.

Die Forderungen nach frei agierenden Religionen kommt daher dem klammheimlichen Wunsch entgegen, diktatorische Strukturen und Fäden in das Geflecht demokratischer Denkgewohnheiten sukzessive zu integrieren und werden von denjenigen Menschen mit Nachdruck und Vorliebe propagiert, deren Nutzen im weitesten Sinn von der Unterdrückung von Mensch und Tier  - siehe Schächten - abhängt. Man lügt dazu schamlos ein Unterdrückungssystem in ein System für Freiheit und Menschenrechte um. Nichts beschneidet jedoch Menschenrechte und Freiheit, die Achtung vor Natur und allen Mitlebewesen mehr, als Religion.

Religion ist das Synonym für lebenslange Unfreiheit, für eine geistige Versklavung  par excellence.

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